Vorankündigungen

Aktu­ell berei­ten wir die Durch­füh­rung von zwei Ver­an­stal­tun­gen vor.

Zum einen wer­den wir uns Mit­te Dezem­ber mit den sozia­len, öko­no­mi­schen und poli­ti­schen Fak­to­ren der jiha­dis­ti­schen Radi­ka­li­sie­rung von jun­gen Män­nern und Frau­en in Deutsch­land auseinandersetzen.

Außer­dem arbei­ten wir an einer Ver­an­stal­tungs­rei­he zur Aktua­li­tät Femi­nis­ti­scher Materialismen/Materialistischer Femi­nis­men, die aller Vor­aus­sicht nach auch Ende die­sen oder Anfang nächs­ten Jah­res statt­fin­den wird.

Kon­kre­te Ankün­di­gun­gen zu den Ver­an­stal­tun­gen wer­den wir recht­zei­tig hier und über unse­re Face­book-Sei­te bekannt geben. Wir freu­en uns auf inter­es­san­te Aben­de mit euch.

Philosophie, Politik & Subjektivität heute

Ver­an­stal­tung am 29. Novem­ber 2019

Seit einem Jahr die Gilets Jau­nes in Frank­reich, die aktu­el­len Ereig­nis­se im Liba­non und in Chi­le auf der einen Sei­te. Die kürz­li­che deutsch­spra­chi­ge Ver­öf­fent­li­chung eines Buchs, das vor 25 Jah­ren in Frank­reich unter dem Titel _Anthropologie du nom_erschienen ist, auf der ande­ren – lässt sich das eine im Lich­te des ande­ren betrachten?

Anfang der 1990er Jah­re leg­te das Buch ein ers­tes Resü­mee einer spe­zi­fi­schen poli­ti­schen Erfah­rung des Frank­reichs der 1970er und 1980er Jah­re vor: die­se mün­det in der For­mu­lie­rung einer Unter­su­chungs­form die von der ein­fach anmu­ten­den Aus­sa­ge aus­geht, dass die Leu­te denken.

Unter Hin­zu­nah­me der Hypo­the­se, dass es eine Poli­tik gibt, die sich im Ele­ment die­ses Den­kens ent­fal­tet, lässt sich eine metho­disch infor­mier­te Per­spek­ti­ve auf die damals aktu­el­le wie die ver­gan­ge­nen Poli­ti­ken ein­neh­men. Auf­grund der Tat­sa­che, dass man es dabei mit einem Den­ken der Poli­tik zu tun hat, gilt es, die Aus­sa­gen der poli­ti­schen Akteu­re für sich selbst genom­men, d.h. in ihrer Buch­stäb­lich­keit, zu betrach­ten. Wor­in besteht die Aktua­li­tät die­ses Ansat­zes ange­sichts der aktu­el­len poli­ti­schen Situa­ti­on? Dar­über möch­ten wir gemein­sam mit dem Autor, Syl­va­in Laza­rus, dem Phi­lo­so­phen Frank Ruda und Euch bzw. Ihnen diskutieren.

Um in die Dis­kus­si­on die­ser Fra­ge ein­zu­lei­ten, wer­den die bei­den Über­set­zer der deutsch­spra­chi­gen Aus­ga­be, Clé­ment Dréa­no und Moritz Herr­mann, über die Arbeit an der Über­set­zung und eini­ge Grund­zü­ge des Buchs spre­chen. Dabei wer­den sie ins­be­son­de­re auf Laza­rus‘ Vor­ge­hens­wei­se und des­sen grund­le­gen­den Aus­sa­gen eingehen: 

_Die Leute_denken _und _Das Den­ken ist Ver­hält­nis des Realen_. Wie tritt die mög­li­che Unter­su­chung der Poli­tik zu die­sen zwei Aus­sa­gen hin­zu bzw. wel­che poli­ti­schen Über­le­gun­gen lie­gen sei­ner­seits der For­mu­lie­rung die­ser zwei Aus­sa­gen zugrunde?

In unmit­tel­ba­rem Bezug auf die mög­li­che Aktua­li­tät des Buchs wird dar­auf­hin der Autor, Syl­va­in Laza­rus, selbst das Wort ergrei­fen. Das Erschei­nen der _Gilets Jau­nes _jährt sich in die­sem Monat und prägt wei­ter­hin die poli­ti­sche Situa­ti­on in Frank­reich. In enger Beglei­tung ihrer Poli­tik kon­fron­tiert er sich und sei­ne Vor­ge­hens­wei­se mit dem, was dort pas­siert. Er wird erläu­tern, wie sich die­ses Phä­no­men aus sei­ner Per­spek­ti­ve her­aus dar­stellt und inwie­fern es ihn wie jeden ein­zel­nen in Frank­reich dazu zwingt, sei­ne oder ihre Begriff­lich­kei­ten zu über­den­ken. Kurz gesagt ist die Fra­ge: Was ist die Neu­heit der _Gilets

Jaunes_ und was ihre Poli­tik, sofern wir von einer spre­chen kön­nen? Aus­ge­hend von wel­chen Wor­ten oder Namen müs­sen wir die­se Fra­ge stel­len? In einem abschlie­ßen­den Vor­trag wird Frank Ruda dem Ver­hält­nis von Poli­tik und Phi­lo­so­phie nach­ge­hen. Inwie­fern lässt sich die Poli­tik in ihren sin­gu­lä­ren Mani­fes­ta­tio­nen phi­lo­so­phisch erfas­sen und wel­che mit­un­ter unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven erge­ben sich dabei auf die Poli­tik selbst? Wie ist genau­er das zu begrei­fen, was Laza­rus die _Sättigungsmethode _nennt, d.h. eine spe­zi­fi­sche Bezug­nah­me eines Den­kens auf ein ande­res, einer Poli­tik auf eine ande­re? Inwie­fern ist es poli­tisch, phi­lo­so­phisch und intel­lek­tu­ell rele­vant, auf eine solch imma­nen­te Wei­se vorzugehen?

Im Anschluss dar­an wird es Raum für eine Dis­kus­si­on geben. Der Vor­trag von Syl­va­in Laza­rus wird alter­nie­rend in fran­zö­si­scher und deut­scher Spra­che, der von Frank Ruda auf Eng­lisch gehal­ten. Bei der Dis­kus­si­on wird eine Über­set­zung gestellt.

Den Link zur deut­schen Über­set­zung fin­det ihr hier.

SYLVAIN LAZARUS

PHILOSOPHIE, POLITIK & SUBJEKTIVITÄT HEUTE

INSTITUT FÜR SOZIALFORSCHUNG, SITZUNGSRAUM I (PARTERRE)

29. NOVEMBER 2019: 18.15 – 21.45 UHR

ZEITPLAN

18.15 – 18.45 CLÉMENT DRÉANO & MORITZ HERRMANN:

Ein­lei­ten­de Wor­te zur Ver­an­stal­tung und zur Übersetzung

18.45 – 19.30 SYLVAIN LAZARUS

_L’Anthropologie du nom peut-elle mett­re un Gilet Jau­ne? _/ _Kann die Anthro­po­lo­gie des Namens eine Gelb­wes­te tragen?_ (Vor­trag in fran­zö­si­scher und deut­scher Sprache)

19.30 – 20.15 FRANK RUDA

_Philosophy – Poli­tics. An Odd Cou­p­le _(Vortrag in eng­li­scher Sprache)

20.15 – 20.30 Pause

20.30 – 21.45 DISKUSSION

Wir freu­en uns über Euer/Ihr Kommen!

Eine Ver­an­stal­tung orga­ni­siert von Clé­ment Dréa­no, Jan Wei­se und Moritz Herr­mann – mit freund­li­cher Unter­stüt­zung des Forum Kri­ti­scher Wissenschaften 

Antigenderismus, Antisemitismus und Muslim*innenfeindlichkeit – Sozialpsychologische Überlegungen zum ideologischen Syndrom der extremen Rechten

Vor­trag von Sebas­ti­an Winter

am 12. Juni 2019

Im Rah­men der Vortragsreihe 

//back to the future – Zur Aktua­li­tät eines mate­ria­lis­ti­schen Feminismus//



Der Kampf gegen den „Gen­de­ris­mus“ ver­eint die extre­me Rech­te und fin­det Anklang bis hin zu FAZ und Spie­gel. Bereits die kon­ser­va­ti­ve Revo­lu­ti­on der 1920er Jah­re pro­pa­gier­te den Kampf gegen als „ver­ju­det“ inter­pre­tier­te Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­se der Geschlech­ter­ord­nung. Im Natio­nal­so­zia­lis­mus wur­de dann unter dem Vor­zei­chen der Volks­ge­mein­schaft eine „neue Syn­the­se“ der Geschlech­ter ver­hie­ßen, die frei sei von den zer­set­zen­den Ein­flüs­sen der Frau­en­eman­zi­pa­ti­on, aber auch von „Lüs­tern­heit“ und allem Künst­li­chem. Heu­te rich­tet sich die Stoß­rich­tung gegen staat­li­che Gleich­stel­lungs­po­li­tik, libe­ra­len Sexu­al­kun­de­un­ter­richt, femi­nis­ti­sche Kri­tik und jede Dena­tu­ra­li­sie­rung des Geschlecht­li­chen. Ver­schwö­rungs­theo­re­tisch wird eine „Gen­der-Lob­by“ als dahin­ter trei­ben­de dunk­le Kraft ver­mu­tet, wel­che die Deut­schen umer­zie­hen will – und wie­der fin­den sich (struk­tu­rell) anti­se­mi­ti­sche Asso­zia­tio­nen. Schein­bar para­dox wird gleich­zei­tig oft­mals die Ableh­nung von „Frau­en­un­ter­drü­ckung“ und Juden­feind­schaft demons­tra­tiv betont. Man ste­he hier als gute Deut­sche oder guter Deut­scher ganz im Gegen­satz zu „den Mos­lems“ und „NAFRIs“. Wie ist die­ses ideo­lo­gi­sche Syn­drom sozi­al­psy­cho­lo­gisch zu inter­pre­tie­ren? Was macht sei­ne affek­ti­ve Attrak­ti­vi­tät aus?


Sebas­ti­an Win­ter ist Lehr­be­auf­trag­ter am Insti­tut für Sozio­lo­gie der Leib­niz Uni­ver­si­tät Han­no­ver und Koor­di­na­tor der Arbeits­ge­mein­schaft Poli­ti­sche Psy­cho­lo­gie. Sei­ne Arbeits­schwer­punk­te sind Geschlech­ter- und Sexua­li­täts­ge­schich­te der völ­ki­schen Bewe­gung, des Natio­nal­so­zia­lis­mus und der post­na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gesell­schaf­ten, Anti­se­mi­tis­mus­for­schung, Geschlech­ter­theo­re­ti­sche Sozia­li­sa­ti­ons­theo­rie sowie Psy­cho­ana­ly­ti­sche Sozialpsychologie.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen bei Face­book.

Eine Ver­an­stal­tung von FfeM und AK069 mit freund­li­cher Unter­stüt­zung des Forum Kri­ti­scher Wissenschaften.

Marx-Tagung »Die Zeit des Kapitals«

Dem Zeit­be­griff scheint kei­nes­wegs eine her­aus­ra­gen­de Bedeu­tung in Marx’ Kri­tik der poli­ti­schen Öko­no­mie zuzu­kom­men. So ent­wi­ckelt Marx im Kapi­tal kei­nen all­ge­mei­nen Begriff der Zeit, son­dern die spe­zi­fi­sche Zeit­lich­keit, in der das Kapi­tal in den ver­schie­de­nen Sphä­ren pro­zes­siert, erweist sich viel­mehr nur als Moment in der kon­kre­ten Ana­ly­se der jewei­li­gen Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se und Zir­ku­la­ti­ons­ak­te in ihrem Zusam­men­hang. Wie lässt sich vor die­sem Hin­ter­grund die spe­zi­fi­sche Zeit­lich­keit des moder­nen Kapi­ta­lis­mus genau­er ver­ste­hen? Wird sie von Zeit­dia­gno­sen der Kri­ti­schen Theo­rie rich­tig bestimmt, wenn Georg Lukács und Wal­ter Ben­ja­min die Zeit des Kapi­ta­lis­mus als eine gleich­för­mig-homo­ge­ne, abs­trak­te und lee­re Zeit rekon­stru­ie­ren? Und wie ver­hal­ten sich die­se Bestim­mun­gen zu dem mar­xis­ti­schen Gedan­ken, wonach kul­tu­rel­le und poli­ti­sche Phä­no­me­ne mit der öko­no­mi­schen Grund­struk­tur ver­ein­bar sein müs­sen, um nicht zu ver­schwin­den? Das Ver­ständ­nis davon, was wir ›Zeit‹ nen­nen, hat sich über die Jahr­hun­der­te eben­so gewan­delt wie ihre gesell­schaft­li­che Funk­ti­on und die Wei­se, in der wir sie erfah­ren. Inwie­weit kann die Marx­sche Öko­no­mie­kri­tik dazu bei­tra­gen, die Zeit im Kapi­ta­lis­mus genau­er zu verstehen?

Programm

Frei­tag, 10. Mai 2019

10:00 – 10:30       Eröffnung

10:30 – 12:30       Semi­nar­pha­se I

*** Mittagessen ***

13:30 – 15:00       Panel I: 

Pau­la Rau­ha­la (Tam­pe­re): Labor theo­ry of value and the pro­blem of the mea­su­re­ment of labor time

Nad­ja Rako­witz & NN von der Marx Bri­ga­de (Frank­furt): ›Zeit‹ in der frü­hen Schrift von Marx über Epi­kur und Demokrit

*** Kaffeepause *** 

15:30 – 17:00       Panel II:  Jan Völ­ker (Ber­lin): Geschich­te der Scheinzeit

17:30 – 19:00       Key­note I:  A. Kiari­na Kor­de­la (Saint Paul, MN): Marx’s Times: a Mate­ria­list Theo­ry of Tem­po­ra­li­ty
Respon­se: Pau­la Rau­ha­la

Im Anschluss:   Emp­fang (Fest­saal)

20:30                 Auf­tritt des Aka­de­mi­schen Arbei­ter­lie­der­chors (Fest­saal)

Sams­tag, 11. Mai 2019

10:30 – 12:30       Semi­nar­pha­se II

*** Mittagessen ***

13:30 – 15:00       Panel III:  Frank Engs­ter (Ber­lin): Geld, Maß und Zeit

*** Kaffeepause ***

15:30 – 17:00       Panel IV: Nad­ja Rako­witz (Frank­furt): Kreis­lauf, Bewe­gung und Ver­knö­che­rung. Bedeu­tung der Zeit im Bd. 2 der Kri­tik der poli­ti­schen Öko­no­mie von Karl Marx

17:30 – 19:00       Key­note IIMicha­el Hein­rich (Ber­lin): Zeit­lich­keit und kapi­ta­lis­ti­sche Vergesellschaftung

*** Abendessen ***

Im Anschluss:    Bar­a­bend (Café KoZ)

Die Vor­trä­ge und Key­notes fin­den im Fest­saal, die Lek­tü­re­se­mi­na­re in den Räu­men K 2 und K 4 des Stu­die­ren­den­hau­ses auf dem Cam­pus Bocken­heim statt.

Zur Kritik der neoliberalen Universität

Vor­trag von Ger­hard Stapelfeldt

am 17. April 2019

Die Uto­pie der Bil­dung ver­sprach einst, daß der Mensch durch sei­nen Auf­stieg zur Got­tes­eben­bild­lich­keit sich selbst und sei­ne Welt durch Ver­nunft zu bil­den ver­möch­te: einem Bild­hau­er gleich. Bil­dung ist: höchs­te theo­re­ti­sche Ein­sicht in die Welt als Gan­ze, prak­ti­sche Ver­wirk­li­chung des Men­schen als Men­schen, der Gesell­schaft als eines ver­nünf­ti­gen „Ver­eins frei­er Men­schen“ – so daß der Mensch sich sei­ner selbst und sei­ner Ver­hält­nis­se be­wußt ist. Als Pro­zeß ist Bil­dung: Welt- und Selbst­auf­klä­rung durch das „Än­dern der Umstän­de“ und „Selbst­ver­än­de­rung“ ineins (Marx). Die­se Idee wur­de gebo­ren in der Anti­ke, radi­ka­li­siert in der Renais­sance, lei­ten­de Uto­pie in der Epo­che der libe­ra­len Auf­klä­rung – um am Ende des 19. Jahr­hun­derts in der Aus­bil­dung von Men­schen zu Maschi­nen­men­schen in einer irra­tio­nal-ra­­tio­na­len Maschi­nen­ge­sell­schaft unter­zu­ge­hen. Die neu­es­te Gestalt der Nega­tion jener Ver­nunft-Uto­pie durch den gesell­schaft­li­chen Feti­schis­mus ist der zur Glo­ba­li­sie­rung ver­all­ge­mei­ner­te Neo­li­be­ra­lis­mus: die neo­li­be­ra­le Wis­sensgesellschaft. Die Pro­duk­ti­ons­stät­te des gesell­schaft­lich analpha­be­ti­schen Wis­sens der Wis­sens­ge­sell­schaft ist die neo­li­be­ra­le Uni­ver­si­tät. In ihr wird der Wis­sen­de an eine dar­wi­nis­ti­sche Wett­be­werbs­ge­sell­schaft angepaßt, die nur Sie­ger und Ver­lie­rer kennt: „Über­le­ben des Erfolg­rei­chen“ und „Selek­tion“ (Hayek).


Prof. Dr. Ger­hard Sta­pel­feldt lehr­te von 1979 bis 2009 am Insti­tut für So­ziologie der Uni­ver­si­tät Ham­burg. Seit­dem arbei­tet er als frei­er Schrift­stel­ler in Hamburg.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen gibt es bei Face­book sowie einen Audio-Mit­schnitt zum nach­hö­ren bei Sound­cloud.

Eine Ver­an­stal­tung in Koope­ra­ti­on mit dem Refe­rat für Poli­ti­sche Bil­dung (Pol­Bil) des All­ge­mei­nen Stu­die­ren­den­aus­schus­ses (AStA) der Goe­the-Uni­ver­si­tät Frank­furt mit freund­li­cher Unter­stüt­zung des Forum Kri­ti­scher Wissenschaften.

Kongress: Kritische Theorie und Feminismus

Eine kri­ti­sche Theo­rie der Gesell­schaft und eine femi­nis­ti­sche Kri­tik sind in ihrem Zugang zur Gesell­schaft ver­bun­den, bei­de wei­sen zugleich prak­ti­sche sozia­le Kon­flik­te und gesell­schaft­li­che Wider­sprü­che aus. Sol­che wis­sen­schaft­lich zu befra­gen heißt, die Bedin­gun­gen der Mög­lich­keit die­ses Gegen­stan­des zu pro­ble­ma­ti­sie­ren: Also Erkennt­nis aus­ge­hend von Kri­tik zu voll­zie­hen.
Den­noch tre­ten femi­nis­ti­sche Per­spek­ti­ven auf Gesell­schaft und sol­che Ansät­ze, die an die Kri­ti­sche Theo­rie anschlie­ßen, in gegen­wär­ti­gen Debat­ten immer wie­der in einem Span­nungs­ver­hält­nis auf. Metho­di­sche Fra­gen – zur Form eines gesell­schaft­li­chen Sub­jekts oder des­sen psy­cho­so­zia­ler Kon­sti­tu­ti­on – spie­len in die­ser Gegen­über­stel­lung eine wich­ti­ge Rol­le. Glei­ches gilt für die erkennt­nis­theo­re­ti­schen Modi, durch die Gesell­schaft begrif­fen wer­den soll. So war die fun­da­men­ta­le Funk­ti­on der Model­le einer Freud­schen Psy­cho­ana­ly­se für die Frank­fur­ter Schu­le auf Grund ihrer Zen­trie­rung des männ­li­chen Sub­jekts und ihrer Ten­denz zur Fest­schrei­bung geschlecht­li­cher Rol­len­ver­tei­lung immer wie­der Anlass für femi­nis­ti­sche Kri­tik. Kri­ti­sche Theo­rie steht wie­der­um sprach­phi­lo­so­phisch ope­rie­ren­den Begrif­fen eines Sub­jekts, wie sie etwa für den Queer-Femi­nis­mus wich­tig sind, meist reser­viert gegen­über. Auch in der Ana­ly­se und Bewer­tung ästhe­ti­scher For­men und mas­sen­me­di­al struk­tu­rier­ter Öffent­lich­keit besteht Kon­flikt­po­ten­ti­al. So beto­nen etwa die Cul­tu­ral Stu­dies die Rele­vanz pop­kul­tu­rel­ler Kunst­for­men und begrei­fen sie als Mög­lich­keit eines eigen­sin­ni­gen Aus­drucks, aus­ge­hend von der Erfah­rung gesell­schaft­li­cher Unter­drü­ckung. Gera­de dar­in erken­nen Vertreter*innen der Kul­tur­in­dus­trie-The­se wie­der­um ein Moment der Unter­drü­ckung: eine Tri­via­li­sie­rung, durch die Leid noch zum Zwe­cke des ‚Ver­gnü­gens‘ ver­wert­bar erscheint und die einen tat­säch­li­chen Aus­druck von Nicht-Iden­ti­tät unter­mi­niert. Zugleich man­gelt es in den sich mate­ria­lis­tisch geben­den Über­le­gun­gen über die Markt­för­mig­keit des Wirk­li­chen in der Regel an einem Ver­ständ­nis von repro­duk­ti­ver Arbeit als essen­ti­ell für die Funk­ti­ons­wei­se von Kapi­ta­lis­mus.
Die­se Kon­flik­te sind nur eini­ge Bei­spie­le, anhand derer die Viel­zahl von Fra­gen deut­lich wer­den, die eine qua­li­fi­zier­te Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Ver­hält­nis von Kri­ti­scher Theo­rie und Femi­nis­mus auf­wer­fen muss: Wel­che Gel­tung und Reich­wei­te kön­nen sol­che kri­ti­schen Metho­den für sich behaup­ten? Müs­sen sie so all­ge­mein ange­legt sein, wie der tota­le gesell­schaft­li­che Gesamt­zu­sam­men­hang, auf den sie ange­wen­det wer­den oder wäre Kri­tik immer auf jenen sub­jek­ti­ven Zugang zu Gesell­schaft zu beschrän­ken, von dem aus sie for­mu­liert wird?
Die­sen und ande­ren Fra­gen wol­len wir uns vom 8. bis zum 9. Febru­ar 2019 an der Goe­the- Uni­ver­si­tät Frank­furt am Main wid­men. Im Rah­men die­ser Tagung möch­ten wir Bestand, Mög­lich­kei­ten und Kon­flik­te von For­schung und Theo­rie­bil­dung zum Ver­hält­nis von Femi­nis­mus und Kri­ti­scher Theo­rie erfas­sen. Wir laden hier­zu alle Inter­es­sier­ten herz­lich ein, teil­zu­neh­men und mit uns zu diskutieren. 

Programm

Frei­tag, 8. Febru­ar 2019

13:00 – 13:30     Begrüßung

13:30 – 15:30     Panel I: Par­ti­ku­la­ris­mus und Universalismus: 

Chris­ti­ne Achin­ger: Uni­ver­sa­lis­mus und Dif­fe­renz in der kapi­ta­lis­ti­schen Moder­ne: Bil­der von Ras­se, Geschlecht und des Jüdi­schen als Konstellation 

Dag­mar Wil­helm: Nega­ti­ve Dia­lek­tik und Femi­nis­mus: das Nicht-iden­ti­sche und das “Eini­gen­de“

Alex­an­dra Col­ligs: Rela­ti­vis­mus statt Uni­ver­sa­lis­mus. Queer-Femi­nis­mus und Iden­ti­ty  Politics.

16:30 – 18:30  Panel II: Kri­ti­sche Theo­rie und femi­nis­ti­sche Ideologiekritik: 

Katha­ri­na Lux: Wel­ches Sub­jekt Frau? Femi­nis­ti­sche Sub­jekt­kri­tik in der auto­no­men Frauenbewegung 

Kosch­ka Lin­ker­hand: Das poli­ti­sche Sub­jekt Frau. Was kann ein mate­ria­lis­ti­scher  Femi­nis­mus leisten?

Bar­ba­ra Umrath: Von Marx zur Kri­tik der Zweigeschlechtlichkeit

19:00 – 20:30     KEYNOTE 

Regi­na Becker-Schmidt:  Arbeits- und Lebens­ver­hält­nis­se von Frau­en im Span­nungs­feld von Uni­ver­sa­li­sie­rung und Par­ti­ku­la­ris­mus. Ein femi­nis­ti­scher  Blick auf den Struk­tur­zu­sam­men­hang  von gesell­schaft­li­cher Frag­men­tie­rung, der Öko­no­mi­sie­rung von markt­fer­nen Sozi­al­be­rei­chen und andro­zen­tri­schen Sexualordnungen

Sams­tag, 9.Februar 2019

10.00 – 12:00  Panel III: Geschlecht, Arbeit, Kapitalismus:

Sarah Speck: Ungleich­zei­tig­kei­ten, Wider­sprü­che, Para­do­xien – Eine  gesell­schafts­theo­re­ti­sche Per­spek­ti­ve auf den Wan­del von Arbeits- und  Geschlechterverhältnissen

Fran­zis­ka Haug: „Hier wird begra­ben ein Kör­per, der mich unter sich begra­ben hat“.  Die Pro­duk­ti­on von Geschlecht durch Arbeit bei Tho­mas Braschs „Lovely Rita“

13:00 – 15:00     Panel IV: Psy­cho­ana­ly­se und Kri­ti­sche Theorie: 

Sebas­ti­an Win­ter: Anti­gen­de­ris­mus – Abwehr des Sexualitätsdilemmas 

Chris­ti­ne Kirch­hoff:  Nicht-Iden­ti­sches und die Sehn­sucht nach der „vol­len Iden­ti­tät“. …und was will eigent­lich das Weib?

Ilka Quin­deau: „Männ­lich, weib­lich, divers“ – zur Ambi­va­lenz geschlecht­li­cher  Identifizierungen

15:30 – 17:30     KEYNOTE 

Karin Stö­g­ner: Weib­lich­keit und Wider­spruch. Spu­ren einer kri­ti­schen Theo­rie der Geschlech­ter­ver­hält­nis­se bei Ben­ja­min und Adorno

Abschluss­dis­kus­si­on

Face­book-Ver­an­stal­tung: https://www.facebook.com/events/2270967133160311/

Meron Mendel: Rechte Tendenzen in Europa und Deutschland

Abschluss­ver­an­stal­tung der Rei­he „Dis­play – Gegen­wart im Kontext“

07.02.2018 um 19:00 Uhr // NG 1741b (IG Neben­ge­bäu­de) // IG Far­ben Campus

Seit Dezem­ber ist in Öster­reich mit der FPÖ eine offen ras­sis­ti­sche Par­tei in der Bun­des­re­gie­rung ver­tre­ten. Über­ra­schend ist das nicht: Rech­te und rechts­ra­di­ka­le Par­tei­en bekom­men über­all in Euro­pa Auf­wind und sind in eini­gen Län­dern sogar an Regie­run­gen betei­ligt. Bür­ger­lich-demo­kra­ti­sche Insti­tu­tio­nen schei­nen grund­le­gend in die Kri­se gera­ten zu sein. Für vie­le Men­schen ist die Zunah­me rech­ter Gesin­nung auch ein mani­fes­ter Fak­tor im All­tag: Geflüch­te­te, Jüdin­nen und Juden und Peop­le of Color wer­den immer häu­fi­ger Opfer rech­ter Gewalt. In Deutsch­land wird nicht nur auf der Ebe­ne der Par­tei­en­po­li­tik, son­dern auch in vie­len zivil­ge­sell­schaft­li­chen Insti­tu­tio­nen über den rich­ti­gen Umgang mit Rech­ten gestrit­ten: In der Uni­ver­si­tät, in den Thea­tern, bei den Gewerk­schaf­ten oder auf der Buch­mes­se. Zum Abschluss der Ver­an­stal­tungs­rei­he „Dis­play – Gegen­wart im Kon­text“ möch­ten wir die­se Fra­gen auf­grei­fen und gemein­sam über Ursa­chen der gegen­wär­ti­gen Rechts­ent­wick­lung und mög­li­che Gegen­stra­te­gien sprechen.

Unser Gast ist Dr. Meron Men­del, Direk­tor der Bil­dungs­stät­te Anne Frank.

Ver­an­stal­tet durch die Gast­pro­fes­sur für kri­ti­sche Gesell­schafts­theo­rie am FB 03 und das Forum kri­ti­scher Wissenschaften.

Zur Rei­he:

Mel­dun­gen über den auto­ri­tä­ren Umbau inner- und außer­eu­ro­päi­scher Staa­ten flim­mern täg­lich über die Bild­schir­me. Welt­wei­te Pro­tes­te und sich immer wie­der neu for­mie­ren­de sozia­le Bewe­gun­gen wer­den in der Pres­se und in sozia­len Netz­wer­ken rund um die Uhr dis­ku­tiert. Eine gesell­schafts­theo­re­tisch infor­mier­te Ana­ly­se die­ser Ereig­nis­se bleibt im gegen­wär­ti­gen öffent­li­chen und media­len Dis­kurs jedoch weit­ge­hend aus. Was kön­nen die kri­ti­schen Wis­sen­schaf­ten für das Ver­ständ­nis sol­cher aktu­el­len poli­ti­schen Gescheh­nis­se bei­tra­gen? Anlie­gen der Ver­an­stal­tungs­rei­he ist es, sich in einer offe­nen Dis­kus­si­on mit loka­len Wissenschaftler*innen und Expert*innen aus unter­schied­li­chen Fach­ge­bie­ten die­se kom­ple­xen The­men zu erschlie­ßen. Dabei soll zugleich das Poten­ti­al kri­ti­scher Gesell­schafts­theo­rie zur Ana­ly­se sozia­ler Ent­wick­lun­gen und Pro­ble­me der Gegen­wart befragt und die Aus­ein­an­der­set­zung mit aktu­el­len poli­ti­schen Fra­gen als Teil der aka­de­mi­schen Pra­xis ver­an­kert werden.

Die aktu­el­len The­men und Referent*innen wer­den jeweils kurz­fris­tig bekannt gegeben.

BDS & Co. Boykottkampagnen gegen Israel und ihre Hintergründe

Diens­tag, 30. Janu­ar 2018 // 19:00 Uhr // Café KoZ // Cam­pus Bockenheim

Isra­el ist nicht nur immer wie­der ter­ro­ris­ti­schen Angrif­fen durch isla­mis­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen wie die Hamas und den Isla­mi­schen Dschi­had aus­ge­setzt, son­dern wird zuneh­mend auch mit Kam­pa­gnen zu sei­ner Dämo­ni­sie­rung und Dele­gi­ti­mie­rung kon­fron­tiert. So for­dert bei­spiels­wei­se die nicht nur in den paläs­ti­nen­si­schen Gebie­ten, son­dern auch in vie­len ande­ren Län­dern agie­ren­de BDS-Bewe­gung einen umfas­sen­den Boy­kott des jüdi­schen Staa­tes sowie Kapi­tal­ab­zug, Embar­gos und Zwangs­maß­nah­men – auf wirt­schaft­li­chem, poli­ti­schem, aka­de­mi­schem und künst­le­ri­schem Gebiet. Sie gibt dabei vor, für die Men­schen­rech­te ein­zu­tre­ten, hat jedoch nicht weni­ger zum Ziel als die „Befrei­ung ganz Paläs­ti­nas“, das heißt: eine Kein-Staat-Israel‑Lösung.
Die Akti­vis­ten die­ser Bewe­gung sind gut ver­netzt und ver­fü­gen über Ein­fluss, der bis in wich­ti­ge Nicht­re­gie­rungs- und Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­onen sowie in Gre­mi­en der Ver­ein­ten Natio­nen hin­ein­reicht. In der Öffent­lich­keit und den Hoch­schu­len sind sie eben­falls äußerst prä­sent, vor allem in Groß­bri­tan­ni­en und den USA. Die EU-Kom­mis­si­on hat ihnen Ende 2015 sogar einen ihrer größ­ten Wün­sche erfüllt, indem sie eine beson­de­re Kenn­zeich­nungs­pflicht für Pro­duk­te israe­li­scher Fir­men beschloss, die ihren Stand­ort im West­jor­dan­land, in Ost­je­ru­sa­lem oder auf den Golan­hö­hen haben. Es ist dies die Vor­stu­fe zu einem offe­nen Boykott.
In sei­nem Vor­trag wird Alex Feuer­herdt die zwei­fel­haf­ten Hin­ter­grün­de und Aus­wir­kun­gen die­ser Boy­kott- und Dele­gi­ti­mie­rungs­kam­pa­gnen ana­ly­sie­ren, einen Über­blick über ihre Akteu­re geben und erör­tern, wel­che Rol­le und wel­ches Gewicht den NGOs dabei zukommt. Zudem wird er prü­fen, wel­che Zie­le die gegen den jüdi­schen Staat gerich­te­ten „Lawfare“-Bestrebungen haben und wel­ches Ver­ständ­nis von den Men­schen­rech­ten ihnen zugrun­de liegt.

Zum Refe­ren­ten: Alex Feuer­herdt ist frei­er Publi­zist und lebt in Köln. Er arbei­tet schwer­punkt­mä­ßig zu den The­men Isra­el, Nah­ost, Anti­se­mi­tis­mus und Fuß­ball und schreibt regel­mä­ßig unter ande­rem für die Jüdi­sche All­ge­mei­ne, n‑tv.de, die Jung­le World und Kon­kret. Außer­dem ist er der Betrei­ber des Blogs Lizas Welt.

Alenka Zupančič: »What is sex?« – Philosophy and Psychoanalysis

Mitt­woch, 13. Dezem­ber 19:00 Uhr // Cas 1.811 // IG-Far­ben‑Campus

In her talk Alen­ka Zupančič will dis­cuss the encoun­ter bet­ween psy­cho­ana­ly­sis and phi­lo­so­phy at the points whe­re the two seem to be the most incom­pa­ti­ble. Sex (and psy­cho­ana­ly­tic theo­ry of sexua­li­ty) is some­thing that phi­lo­so­phy usual­ly does­n’t know what to do with. And onto­lo­gy (as sci­ence of pure being) is some­thing that psy­cho­ana­ly­sis does­n’t know what to do with. The pro­ject of the book »What is sex?« is to take the­se two noti­ons and cast them in the oppo­si­te camps. That is to say to take sex as the pro­per­ly onto­lo­gi­cal ques­ti­on of psy­cho­ana­ly­sis, and to pur­sue the impli­ca­ti­ons that this kind of inter­ro­ga­ti­on has for philosophy.

Alen­ka Zupančič ist Pro­fes­so­rin für Phi­lo­so­phie und Psy­cho­ana­ly­se an der European Gra­dua­te School (EGS), an der Uni­ver­si­ty of Nova Gori­ca und am Insti­tut für Phi­lo­so­phie an der Slo­vens­ka Aka­de­mi­ja Zna­nos­ti in Umetnos­ti. Neben Sla­voj Žižek und Mla­den Dolar ist sie eine der bekann­tes­ten Ver­tre­te­rin­nen der soge­nann­ten »Lai­ba­cher Lacan-Schu­le«. Schwer­punk­te ihrer For­schung bil­den unter ande­rem das Ver­hält­nis zwi­schen Sexua­li­tät und Onto­lo­gie, die laca­nia­ni­sche Psy­cho­ana­ly­se, der Begriff des Komi­schen, der deut­sche Idea­lis­mus und Nietz­sche. Zu ihren wich­tigs­ten Ver­öf­fent­li­chun­gen zäh­len: Ethik des Rea­len: Kant, Lacan (Turia + Kant, 1995), The Shor­test Shadow: Nietzsche’s Phi­lo­so­phy of the Two (MIT Press, 2003) und Der Geist der Komö­die (Mer­ve, 2014).

Mode­ra­ti­on: Lucas Pohl

Ver­an­stal­tet vom Ak zeit­ge­nös­si­sche Mate­ria­lis­men und dem Forum kri­ti­scher Wis­sen­schaf­ten (FkW).