Zur Aktualität Materialistischer Feminismen

Rei­he mit Work­shops und Vor­trä­gen | Febru­ar – Juli 2022 

Alle Vor­trä­ge der Rei­he fin­det ihr zum Nach­schau­en auf unse­rem You­tube-Kanal.


Die Ver­an­stal­tungs­rei­he hat anhand zeit­ge­nös­si­scher Ansät­ze die Fra­ge ver­han­delt, was eine mate­ria­lis­tisch-femi­nis­ti­sche Per­spek­ti­ve zur Erschlie­ßung der Gegen­wart bei­tra­gen kann und wes­halb sie den­noch in der gegen­wär­ti­gen Geschlech­ter­for­schung kaum ver­tre­ten scheint. Die Refe­ren­tin­nen haben aus unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven exem­pla­ri­sche Ein­bli­cke in ihre empi­ri­sche For­schung und Theo­rie­ar­beit gege­ben, um einen Aus­tausch über aktu­el­le Ana­ly­sen und Inter­ven­tio­nen zu öffnen.

Wie kön­nen mate­ria­lis­tisch-femi­nis­ti­sche For­schungs­pra­xen heu­te kon­kret aus­se­hen und wie las­sen sich in ihnen Model­le eman­zi­pa­to­ri­scher Ver­än­de­rung theo­re­tisch verankern?

Gemein­sam mit Kit­chen Poli­tics und Lou Zucker haben wir zudem getrenn­te Work­shops zur inten­si­ve­ren Aus­ein­an­der­set­zung mit Cla­ra Zet­kin und Alex­an­dra Kol­lon­tai durch­ge­führt, die den Kampf für die Befrei­ung der Frau kon­se­quent inter­na­tio­na­lis­tisch als gemein­sa­men Kampf aller Arbeiter:innen gegen die bestehen­den öko­no­mi­schen und sozia­len Herr­schafts­ver­hält­nis­se dach­ten – und damit ers­te Grund­ris­se eines Mate­ria­lis­ti­schen Femi­nis­mus begründeten.

Alle Infos auch auf Face­book.


Pro­gramm


[ 1 ] Eman­zi­pa­ti­on? Ge(ht)schlecht im Kapitalismus! 

17.02.2022- 18:00 | Auf­zeich­nung der Veranstaltung

Lisa Yashod­ha­ra Hal­ler
Mode­ra­ti­on: Sarah Mühlbacher

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[ 2 ] Alte und neue mate­ria­lis­ti­sche Femi­nis­men: Abgren­zun­gen und Kontinuitäten

10.03.2022- 18:00 | Auf­zeich­nung der Veranstaltung

Ana­st­as­si­ja Kostan & Luki Schmitz
im Gespräch mit Fran­ce­s­ca Raimondi

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[ 3 ] Öko­no­mie. Sub­jek­ti­vie­rung. Geschlecht.
Femi­nis­tisch-mate­ria­lis­ti­sche Per­spek­ti­ven in der empi­ri­schen Sozialforschung

07.04.2022 – 18:00 | Auf­zeich­nung der Veranstaltung

Lisa Hal­ler & Sarah Speck
Mode­ra­ti­on: Chris­ti­na Engelmann

Café KoZ
Mer­ton­stra­ße 26 – 28
Frank­furt am Main

Alle Infos auch auf Face­book.
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[ 4 ] Make femi­nism socia­list again! Grund­ris­se eines Mate­ria­lis­ti­schen Femi­nis­mus im Anschluss an Cla­ra Zetkin

13.05.2022 | Auf­zeich­nung der Veranstaltung

I. Work­shop: 14:00 – 17:30
II. Abend­vor­trag: 19:00

Lou Zucker & Chris­ti­na Engelmann

Stu­die­ren­den­haus / Offe­nes Haus der Kul­tu­ren
Mer­ton­stra­ße 26 – 28
Frank­furt am Main

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[ 5 ] How to Orga­ni­ze Social Repro­duc­tion? Femi­nist Les­sons from Alex­an­dra Kollontai

10.06.2022 | Auf­zeich­nung der Ver­an­stal­tung / recording

I. Work­shop: 14:00 – 18:30
In Koope­ra­ti­on mit Kit­chen Politics

II. Abend­vor­trag: 19:00
Kris­ten R. Ghod­see
Mode­ra­ti­on: Fran­zis­ka Haug

Stu­die­ren­den­haus / Offe­nes Haus der Kul­tu­ren
Mer­ton­stra­ße 26 – 28
Frank­furt am Main

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[ 6 ] The New Patri­mo­ni­al Power

15.07.2022 – 14:00 | Auf­zeich­nung der Ver­an­stal­tung / recording

Melin­da Cooper

Online-Lec­tu­re (in English)



Vor­trä­ge & Workshops

( Details )


[ 1 ] Eman­zi­pa­ti­on? Ge(ht)schlecht im Kapitalismus!

Don­ners­tag, 17.02.2022 | Auf­zeich­nung der Ver­an­stal­tung
Lisa Yashod­ha­ra Hal­ler und Sarah Mühlbacher

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Im Zen­trum femi­nis­ti­scher Mate­ria­lis­men steht die Fra­ge, wie die kapi­ta­lis­ti­sche Wirt­schafts­wei­se sozia­le Ver­hält­nis­se formt, unter denen Men­schen bezüg­lich ihrer Arbeits­tei­lung – und der auf sie aus­ge­rich­te­ten Geschlech­ter­be­zie­hun­gen – immer wie­der aufs Neue in Kon­flik­te gera­ten. Auch wenn Men­schen für ihr Zusam­men­le­ben zuneh­mend ver­än­der­te For­men wäh­len, zeigt unter ande­rem die anhal­ten­de Dis­kus­si­on um das soge­nann­te „Ver­ein­bar­keits­di­lem­ma“, dass die Ver­wer­tungs­lo­gik des Kapi­tals tief in lebens­welt­li­che Ent­schei­dun­gen und Sozi­al­ver­hält­nis­se hin­ein­wirkt, ihnen aus einer mate­ria­lis­ti­schen Per­spek­ti­ve gar eigen erscheint. Offen­sicht­lich hängt die anhal­tend vor­herr­schen­de Geschlech­ter­ord­nung mit der Struk­tur­lo­gik des Kapi­tals zusam­men. Denn es wird wohl kaum Zufall sein, dass gera­de jene Tätig­kei­ten mehr­heit­lich von Frau­en ver­rich­tet wer­den, die inner­halb der herr­schen­den Wirt­schafts­ord­nung in den pri­va­ten Bereich ver­la­gert sind. Hier zeigt sich auch in Mit­tel­eu­ro­pa eine beein­dru­cken­de his­to­ri­sche Kon­ti­nui­tät, die sich in ähn­li­cher Wei­se in allen sozia­len Milieus fest­stel­len lässt. Aus die­ser Per­spek­ti­ve lässt sich in aktu­el­len Debat­ten eine selt­sam anmu­ten­de Front­stel­lung beob­ach­ten: Auf der einen Sei­te libe­ra­le Femi­nis­men, die durch ihre Ver­leug­nung not­wen­di­ger Für­sor­ge weib­li­che „Frei­heit“ zu demons­trie­ren ver­su­chen. Auf der ande­ren Sei­te kon­ser­va­ti­ve Femi­nis­men, die für eine Auf­wer­tung eben die­ser Für­sor­ge kämp­fen, teils getra­gen von Essen­tia­li­sie­rungs­phan­ta­sien. Inwie-fern ver­deut­licht dies, dass eine Eman­zi­pa­ti­on unter den Vor­zei­chen der kapi­ta­lis­ti­schen Wirt­schafts-wei­se zumin­dest eine ganz beson­ders gro­ße Her­aus­for­de­rung dar­zu­stel­len scheint?

Weil Frei­heit erst dann ent­steht, wenn Men­schen ver­bind­li­che Für­sor­ge­ver­ant­wor­tung für­ein­an­der über­neh­men, möch­ten wir gemein­sam mit Lisa Yashod­ha­ra Hal­ler einen gesell­schafts­kri­ti­schen Blick auf die Ver­mitt­lungs­zu­sam­men­hän­ge zwi­schen Staat, Geschlecht und Kapi­tal wer­fen. In ihrem Vor­trag wird sie die­se Zusam­men­hän­ge ver­deut­li­chen und auf­zei­gen, wie die Bear­bei­tung des kapi­ta­lis­ti­schen Struk-tur­pro­blems durch den Staat erfolgt, der die­ses sei­ner­seits nicht löst, son­dern mit­tels staat­li­cher Steue-rungs­in­stru­men­te in den Bereich der ver­meint­lich pri­va­ten Paar­be­zie­hung verlagert.


[ 2 ] Alte und neue mate­ria­lis­ti­sche Femi­nis­men: Abgren­zun­gen und Kontinuitäten

10.03.2022 – 18:00 | Auf­zeich­nung der Veranstaltung

Ana­st­as­si­ja Kostan & Luki Schmitz
im Gespräch mit Fran­ce­s­ca Rai­mon­di
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Die Begrif­fe ‚alt‘ und ‚neu‘ legen eine zeit­li­che Abfol­ge femi­nis­ti­scher Mate­ria­lis­men nahe, bei der letz­te­re ers­te­re ablö­sen. Gegen­über die­ser gän­gi­gen Les­art wer­den Ana­st­as­si­ja Kostan und Luki Schmitz im Gespräch mit Fran­ce­s­ca Rai­mon­di auf­zei­gen, inwie­fern die ‚neu­en‘ mate­ria­lis­ti­schen Femi­nis­men die ‚alten‘ kei­nes­falls ersetzt oder unbrauch­bar gemacht haben. Viel­mehr las­sen sich Ver­schie­bun­gen hin­sicht­lich der jewei­li­gen Per­spek­ti­ven femi­nis­ti­scher Mate­ria­lis­men in Fol­ge wis­sen­schaft­li­cher Turns und Bin­nen-Kri­ti­ken beob­ach­ten: Ende der 1960iger Jah­re und im Zuge der zwei­ten Frau­en­be­we­gung adres­sier­ten mate­ria­lis­ti­sche Femi­nis­men die Bedeu­tung von unbe­zahl­ter, unsicht­ba­rer und struk­tu­rell abge­wer­te­ter Haus- und Für­sor­ge­ar­beit. Es galt, die­se meis­tens von Frau­en* geleis­te­te „Repro­duk­ti­ons­ar­beit“ als für die kapi­ta­lis­ti­sche Pro­duk­ti­on und Mehr­wert­bil­dung unab­ding­bar kennt­lich zu machen. Nebst der Kri­tik an der Aus­beu­tung ‚sekun­dä­rer‘ Arbeits­kraft, wur­den ideo­lo­gisch-bio­lo­gis­ti­sche Denk­wei­sen zwar hin­ter­fragt, teils jedoch durch ent­spre­chen­de Debat­ten auch repro­du­ziert. Dar­an anknüp­fend mobi­li­sie­ren die ‚neu­en‘ mate­ria­lis­ti­schen Femi­nis­men eine ver­än­der­te Auf­fas­sung von Bio­lo­gie und (kör­per­li­cher) Mate­ria­li­tät: Sie adres­sie­ren spe­zi­fi­sche Macht- und Domi­nanz­ver­hält­nis­se als Ergeb­nis mate­ri­ell-dis­kur­si­ver Rela­tio­nen, in denen sich Gesell­schaft­li­ches, Natür­li­ches und Tech­ni­sches dyna­misch ver­schrän­ken. Die­se jün­ge­ren mate­ria­lis­ti­schen Femi­nis­men dezen­trie­ren mensch­li­che Hand­lungs­macht vor dem Hin­ter­grund ver­schie­dens­ter mate­ri­el­ler Vor­aus­set­zun­gen des Sozialen.

Was bedeu­tet es aber, dass die­ses Sozia­le nun­mehr als unhin­ter­geh­bar und vom mul­ti­plen und sich über­lap­pen­den Zusam­men-Wir­ken nicht­mensch­li­cher Lebe­we­sen, Din­gen und Kräf­ten ange­se­hen wird? Inwie­weit lässt das Spek­trum femi­nis­ti­scher Mate­ria­lis­men die ‚alten‘ und ‚neu­en‘ Per­spek­ti­ven als ver­schie­de­ne For­men der Gegen­warts­kri­tik mit jeweils spe­zi­fi­schen Fokus­sie­run­gen auf sozia­le und öko­no­mi­sche Herr­schafts­ver­hält­nis­se, Wis­sens­for­men und Epis­te­men hervortreten?

Im Rah­men der Ver­an­stal­tung wer­den Ana­st­as­si­ja Kostan und Luki Schmitz einen schlag­licht­ar­ti­gen Über­blick über eini­ge Kern­aspek­te ‚alter‘ und ‚neu­er‘ mate­ria­lis­ti­scher Femi­nis­men geben, die sie aktu­ell unter­su­chen. In einem gemein­sa­men Gespräch mit Fran­ce­s­ca Rai­mon­di wer­den sie dann über Abgren­zun­gen, aber auch Kon­ti­nui­tä­ten zwi­schen den älte­ren und jün­ge­ren Theo­rie­strö­mun­gen femi­nis­ti­scher Mate­ria­lis­men diskutieren.


[ 3 ] Öko­no­mie. Sub­jek­ti­vie­rung. Geschlecht.
Femi­nis­tisch-mate­ria­lis­ti­sche Per­spek­ti­ven in der empi­ri­schen Sozialforschung

07.04.2022 – 18:00 | Prä­senz-Ver­an­stal­tung (Café KoZ) -> Auf­zeich­nung der Veranstaltung

Lisa Yashod­ha­ra Hal­ler & Sarah Speck
Mode­ra­ti­on: Chris­ti­na Engelmann

Alle Infos auch auf Face­book.

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Wir leben in Zei­ten, in denen sich das, was man gemein­hin als kapi­ta­lis­ti­sche Ver­wer­tungs­lo­gik begreift, nahe­zu voll­stän­dig ver­all­ge­mei­nert hat. Sie struk­tu­riert viel mehr als nur die Erwerbs­sphä­re, eine Grenz­zie­hung zum Pri­va­ten ist oft schwer. Freun­din­nen, Fami­lie, Poli­tik und Arbeit bil­den das moder­ne Kon­glo­me­rat der Selbst­ver­wirk­li­chung und ver­spre­chen Glück – sofern wir es schaf­fen, alle Berei­che aus­rei­chend zu bedie­nen, also effi­zi­ent zu koor­di­nie­ren und zu gestal­ten. Damit sind wir sehr beschäf­tigt und schimp­fen gleich­zei­tig über unser Wirt­schafts­sys­tem, den Kapi­ta­lis­mus, der uns all das antut.

Die Kri­tik am Kapi­ta­lis­mus scheint zeit­ge­mäß, sie ist all­täg­lich und all­ge­mein akzep­tiert. Wir kri­ti­sie­ren ihn beim Piz­za­es­sen in der Mit­tags­pau­se, wir lesen zwi­schen­drin dar­über in den Social Media, dis­ku­tie­ren abends beim Date oder mor­gens bei der Vor­le­sung an der Uni­ver­si­tät. Wie das Reden übers Wet­ter ist Kapi­ta­lis­mus­kri­tik ein unver­fäng­li­ches Gesprächs­the­ma. Und wie das Wet­ter erscheint die kapi­ta­lis­ti­sche Ver­wer­tungs­lo­gik als ver­nünf­tigs­tes Orga­ni­sa­ti­ons­prin­zip aller Lebens­be­rei­che ohne­hin unan­tast­bar.

Je weni­ger aber die öko­no­mi­schen Ver­hält­nis­se gestalt­bar erschei­nen, des­to wich­ti­ger wird die Bestä­ti­gung der eige­nen Hand­lungs­fä­hig­keit im Ange­sicht der schein­bar über­wäl­ti­gen­den Ohn­macht gegen­über den grö­ße­ren Zusam­men­hän­gen. Mate­ria­lis­tisch-femi­nis­ti­sche Per­spek­ti­ven haben vor die­sem Hin­ter­grund in jün­ge­rer Zeit in Theo­rie­de­bat­ten neue Auf­merk­sam­keit erfah­ren. In empi­ri­scher Sozi­al­for­schung sind sie aller­dings wei­ter­hin eher marginal.

Hier neh­men Lisa Yashod­ha­ra Hal­ler und Sarah Speck den Aus­gang für ihr Gespräch, in dem sie sich mit mate­ria­lis­ti­schen Per­spek­ti­ven der Gegen­wart aus­ein­an­der­set­zen und Ent­wick­lun­gen und Desi­de­ra­te inner­halb der aktu­el­len Geschlech­ter­for­schung dis­ku­tie­ren. Aus­ge­hend von ihren Stu­di­en nähern sie sich dabei der Fra­ge, wel­che Dimen­sio­nen der empi­ri­schen Ana­ly­se eine mate­ria­lis­tisch-femi­nis­ti­sche Per­spek­ti­ve umfasst, und ver­han­deln die Bedin­gun­gen der Mög­lich­keit gesell­schaft­li­cher Emanzipation.


[ 4 ] Make femi­nism socia­list again! Grund­ris­se eines Mate­ria­lis­ti­schen Femi­nis­mus im Anschluss an Cla­ra Zetkin

13.05.2022 | Präsenz-Veranstaltung

I. Work­shop: 14:00 – 18:00 (K4 | Stu­die­ren­den­haus)
II. Abend­vor­trag: 19:00 (Café KoZ) -> Auf­zeich­nung der Veranstaltung

Lou Zucker & Chris­ti­na Engelmann


Wir kön­nen Cla­ra Zet­kin als Vor­bild neh­men, um uns gegen anti­fe­mi­nis­ti­sche Män­ner in unse­ren eige­nen Rei­hen auf­zu­leh­nen, uns mit ande­ren Frau­en zu ver­bün­den, inter­na­tio­na­le femi­nis­ti­sche Bünd­nis­se zu schmie­den und Faschis­mus früh­zei­tig zu erkennen.“

(Lou Zucker in „Cla­ra Zet­kin – Eine rote Feministin“)


Femi­nis­mus ist heu­te so popu­lär wie nie zuvor, doch dies hat bis­lang nur wenig dazu bei­getra­gen, die Lebens­ver­hält­nis­se von Frau­en zu ver­bes­sern. So fügt sich der aktu­el­le femi­nis­ti­sche Trend nahe­zu rei­bungs­los der kapi­ta­lis­ti­schen Ver­wer­tungs­lo­gik: gen­der­ge­rech­te Spra­che dient Unter­neh­men als hip­pe Ver­mark­tungs­stra­te­gie und in den Kauf­häu­sern wer­den „Power to the Girls“-Shirts als Ware feil­ge­bo­ten – wäh­rend die Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen der aller­meis­ten Arbei­te­rin­nen welt­weit nach wie vor erdrü­ckend schlecht sind. Vor die­sem Hin­ter­grund wer­den wir zusam­men mit der Jour­na­lis­tin und Akti­vis­tin Lou Zucker eine der Vor­den­ke­rin­nen und Vor­kämp­fe­rin­nen der Inter­na­tio­na­len Frau­en­be­we­gung in den Blick neh­men, die die Frei­heit der Frau bedin­gungs­los an die Frei­heit aller Aus­ge­beu­te­ten knüpf­te: die kom­mu­nis­ti­sche Femi­nis­tin Cla­ra Zet­kin (1857 – 1933).

Als revo­lu­tio­nä­re Sozia­lis­tin und Kom­mu­nis­tin trat Cla­ra Zet­kin ent­schie­den für die Gleich­be­rech­ti­gung von Frau­en ein und initi­ier­te gegen den Wil­len ihrer männ­li­chen Genos­sen die Ein­füh­rung des Inter­na­tio­na­len Frau­en­ta­ges am 8. März. Den bür­ger­li­chen Femi­nis­tin­nen hielt sie dabei ent­ge­gen, dass Eman­zi­pa­ti­on nur als gemein­sa­mes Unter­fan­gen aller Arbeiter:innen gegen kapi­ta­lis­ti­sche Herr­schaft erkämpft wer­den kann. Im Rah­men der Ver­an­stal­tung wer­den wir dis­ku­tie­ren, was Feminist:innen heu­te noch von Cla­ra Zet­kin ler­nen kön­nen. Zet­kin steht zum einen für einen Femi­nis­mus, der die sozia­len Ver­hält­nis­se in den Blick nimmt, durch die Frau­en unter­drückt wer­den. In die­sem Sin­ne ist ihre femi­nis­ti­sche Per­spek­ti­ve anti­ka­pi­ta­lis­tisch: sie impli­ziert eine Kri­tik an Struk­tu­ren, in denen Men­schen nicht in frei­er Ent­schei­dung über die Gestal­tung ihres Zusam­men­le­bens ent­schei­den kön­nen, son­dern dies eini­gen weni­gen Akteu­ren vor­be­hal­ten bleibt, die über die erfor­der­li­che sozia­le und öko­no­mi­sche Macht­po­si­ti­on ver­fü­gen. Die mate­ria­lis­tisch-femi­nis­ti­sche Per­spek­ti­ve knüpft dabei an die kon­kre­ten Lebens­ver­hält­nis­se der pro­le­ta­ri­schen Frau­en an, nimmt ihre prak­ti­schen Pro­ble­me und mate­ri­el­len Sor­gen ernst und ver­sucht, die Frau­en auf die­se Wei­se für den Kampf um ein bes­se­res Leben für alle zu mobi­li­sie­ren. Der Femi­nis­mus Zet­kins ist aus die­sem Grund dar­über hin­aus inter­na­tio­na­lis­tisch: Eman­zi­pa­ti­on von kapi­ta­lis­ti­scher Herr­schaft kann dem­nach nur trans­na­tio­nal in Form von soli­da­ri­schen Kämp­fen welt­weit für ein Sys­tem ohne Aus­beu­tung gelin­gen. Ent­spre­chend hat sich Zet­kin als Poli­ti­ke­rin mit sozia­lis­ti­schen Frau­en ande­rer Län­der ver­bün­det, um sich kol­lek­tiv für die Rech­te der Frau­en und gegen Krieg und Kolo­nia­lis­mus einzusetzen.

Im Work­shop wer­den wir anhand von Reden und kür­ze­ren Schrif­ten Zet­kins die Fra­ge ver­han­deln, was eine mate­ria­lis­tisch-femi­nis­ti­sche Per­spek­ti­ve aus­zeich­net und wie hier der Kampf für die Befrei­ung der Frau mit einer Kri­tik an kapi­ta­lis­ti­scher Ver­ge­sell­schaf­tung zusam­men­ge­dacht wird. Dabei wer­den wir uns näher anse­hen, aus wel­cher Per­spek­ti­ve Zet­kin die Fra­ge der Frau­en­ar­beit stellt: Ihr zufol­ge ist die Eman­zi­pa­ti­on von Frau­en, ihre sozia­le und poli­ti­sche Gleich­stel­lung, nur mög­lich, wenn die­se auch öko­no­misch unab­hän­gig sind, was inner­halb der herr­schen­den Gesell­schafts­kon­stel­la­ti­on in ers­ter Linie durch die Lohn­ar­beit außer­halb der Fami­lie ermög­licht wird. Gleich­zei­tig sieht Zet­kin, dass sich die Frau­en unter Bedin­gun­gen kapi­ta­lis­ti­scher Waren­pro­duk­ti­on jedoch nur einer ande­ren Herr­schaft – der des Kapi­tals – unter­wer­fen. In die­sem Zusam­men­hang wer­den wir uns anse­hen, wie die erhöh­te Kon­kur­renz unter den Arbeiter:innen infol­ge der stei­gen­den Berufs­tä­tig­keit von Frau­en den Wider­spruch im Inter­es­se von Kapi­tal und Arbeit auf Gegen­sät­ze zwi­schen den Inter­es­sen der Arbei­ter und der Arbei­te­rin­nen pro­ji­ziert und so soli­da­ri­sche Kämp­fe unter­mi­niert werden.

Im zwei­ten Teil des Work­shops wer­den wir das Ver­hält­nis von pro­le­ta­ri­schem Femi­nis­mus und Anti-Kriegs-Akti­vis­mus in den Blick neh­men. In Cla­ra Zet­kins poli­ti­schem Wir­ken ver­bin­det sich das Enga­ge­ment für die öko­no­mi­sche, sozia­le und poli­ti­sche Gleich­stel­lung von Frau­en mit einem ent­schie­de­nen Kampf gegen Faschis­mus und Krieg. Auf der Sozia­lis­ti­schen Frau­en­kon­fe­renz in Kopen­ha­gen 1910 brach­te sie nicht nur den Beschluss zur Ein­füh­rung eines Inter­na­tio­na­len Frau­en­tags ein, son­dern auf Ihre Initia­ti­ve hin wur­de auch eine Reso­lu­ti­on zum Kampf der pro­le­ta­ri­schen Frau­en um den Frie­den ver­ab­schie­det. Und wäh­rend nach und nach auch nahe­zu alle sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei­en Euro­pas für den Ers­ten Welt­krieg stimm­ten, orga­ni­sier­te Cla­ra Zet­kin im März 1915 die ers­te „Inter­na­tio­na­le Frau­en­kon­fe­renz für Frie­den“ in Bern. Schon früh warn­te sie vor dem Faschis­mus in Ita­li­en unter Mus­so­li­ni und zeig­te in ihrer Rede „Der Kampf gegen den Faschis­mus“ von 1923 auf, dass wir hier mit einem inter­na­tio­na­len Pro­blem kon­fron­tiert wer­den, das sich nur durch eine Ein­heits­front aller Werk­tä­ti­gen für den Frie­den bekämp­fen lässt.

Im Rah­men des Abend­vor­trags wird Lou Zucker ihren Band „Cla­ra Zet­kin – Eine rote Femi­nis­tin“ vor­stel­len und dabei, unter­stützt von ein­zel­nen gele­se­nen Pas­sa­gen, in Zet­kins Leben ein­füh­ren. Die­ses war geprägt von chro­ni­scher Krank­heit, Ver­lust und Arbeits­sucht, aber auch von tie­fen Freund:innenschaften, Rei­sen, sozia­lis­ti­schen Haus­par­tys und natür­lich ihrem lei­den­schaft­li­chen Kampf für Sozia­lis­mus und Frau­en­be­frei­ung. Für eine Frau ihrer Zeit war es in jedem Fall mehr als unty­pisch. Dar­über hin­aus stellt Lou Zucker die Fra­ge, was Femi­nis­mus heu­te von Cla­ra Zet­kin ler­nen kann und gibt dazu einen Über­blick über zen­tra­le Punk­te ihres Den­kens und Wirkens.

Die Ver­an­stal­tung fin­det in Koope­ra­ti­on mit dem DFG-Pro­jekt „Cla­ra Zet­kins päd­ago­gi­sches und bil­dungs­po­li­ti­sches Wir­ken in der Sowjet­uni­on“ an der Jus­tus-Lie­big-Uni­ver­si­tät Gie­ßen statt.


[ 5 ] How to Orga­ni­ze Social Repro­duc­tion? Femi­nist Les­sons from Alex­an­dra Kollontai

10.06.2022 | Präsenz-Veranstaltung

I. Work­shop: 14:00 – 17:30 (Anmel­dung geschlossen) 

mit Dar­ja Klin­gen­berg und Sarah Speck von und für Kit­chen Poli­tics.

(inkl. Abend­essen & Bücher­tisch)


IILec­tu­re (Eng­lish): 19:00 – Café KoZ -> Auf­zeich­nung der Ver­an­stal­tung / recording

Kris­ten R. Ghod­see
Mode­ra­ti­on: Fran­zis­ka Haug


I. Work­shop

Wel­che Rol­le wür­de die Fami­lie im Kom­mu­nis­mus haben, fragt Alex­an­dra Kol­lon­tai in einem Auf­satz von 1917. Die­ser und ande­re Tex­te der vor 150 Jah­ren gebo­re­nen Kol­lon­tai ste­hen in der Tra­di­ti­on mate­ria­lis­ti­scher Uto­pien der femi­nis­ti­schen Bewe­gun­gen des Anfangs des 20. Jahr­hun­derts. Die­se setz­ten in ihren radi­ka­len und zugleich sehr prag­ma­ti­schen Ent­wür­fen vor allem an der Ver­än­de­rung des All­tags an –  an der Gestal­tung von Woh­nun­gen, Kin­der­ta­ges­stät­ten, der Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung: Wie sol­len wir lie­ben, Kin­der erzie­hen, abwa­schen und wohnen? 

Im Work­shop dis­ku­tie­ren wir Kol­lon­ta­is Vor­schlä­ge und bet­ten sie ideen­ge­schicht­lich in die Debat­ten femi­nis­ti­scher Kämp­fe und die Poli­ti­ken des real exis­tie­ren­den Sozia­lis­mus ein. Wor­an und wie schei­ter­ten sie? Wie bli­cken wir heu­te auf das ambi­va­len­te Erbe? Wel­che Anknüp­fungs­punk­te bie­ten die­se Ent­wür­fe für eine inter­sek­tio­nal infor­mier­te mate­ria­lis­tisch-femi­nis­ti­sche Poli­tik des 21. Jahrhunderts?

https://www.facebook.com/events/1142324459669001


II. Lec­tu­re (Eng­lish)

Alex­an­dra Kol­lon­tai (1872 – 1952) was a socia­list women’s acti­vist who had radi­cal ide­as about the inter­sec­tions of socia­lism and women’s eman­ci­pa­ti­on. Born into aristo­cra­tic pri­vi­le­ge, the Rus­si­an Kol­lon­tai was initi­al­ly a mem­ber of the Mens­he­viks befo­re she joi­ned Lenin and the Bols­he­viks and beca­me an important revo­lu­tio­na­ry figu­re during the 1917 Octo­ber Revo­lu­ti­on. Kol­lon­tai was a socia­list theo­rist of women’s eman­ci­pa­ti­on and a strident pro­po­nent of sexu­al rela­ti­ons freed from all eco­no­mic considerations. 

After the Octo­ber Revo­lu­ti­on, Kol­lon­tai beca­me the Com­mis­sar of Social Wel­fa­re and hel­ped to found the Zhe­no­t­del (the women’s sec­tion of the Com­mu­nist Par­ty). She over­saw a wide varie­ty of legal reforms and public poli­ci­es to help libe­ra­te working women and to crea­te the basis of a new socia­list sexu­al mora­li­ty. But Rus­si­ans were not rea­dy for her visi­on of eman­ci­pa­ti­on, and she was sent away to Nor­way to ser­ve as the first Rus­si­an fema­le ambassa­dor (and only the third fema­le ambassa­dor in the world). 

This Lec­tu­re reviews the life and work of Alex­an­dra Kol­lon­tai, pro­vi­ding an intro­duc­tion for her uni­que theo­ries to deco­u­p­le roman­tic attach­ment from social repro­duc­tion by radi­cal­ly expan­ding the role of the sta­te and encou­ra­ging the deve­lo­p­ment of “com­ra­de­ly-love.”

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[ 6 ] The New Patri­mo­ni­al Power

15.07.2022 – 14:00 | Auf­zeich­nung der Ver­an­stal­tung / recording

Melin­da Cooper

The fami­ly office was until recent­ly a mar­gi­nal orga­niz­a­tio­nal form in Ame­ri­can capi­ta­lism, long sin­ce made red­un­dant, it was assu­med, by the modern “demo­cra­tic” struc­tures of the public cor­po­ra­ti­on and the divi­ded respon­si­bi­li­ties of mana­ge­ri­al capi­ta­lism. Busi­ness his­to­ri­ans such as Alfred Chand­ler rou­ti­nely dis­mis­sed the fami­li­al form of busi­ness manage­ment as an archaism and impe­di­ment to indus­tri­al pro­gress — bet­ter ser­ved, it was thought, by the sepa­ra­ti­on of powers and dis­tri­bu­t­ed owners­hip of the publicly tra­ded corporation.

Max Weber, for his part, thought that the clas­sic form of patri­mo­ni­al power had been dis­pla­ced (though perhaps not defi­ni­tively) by the rise of modern bureau­cra­tic forms of aut­ho­ri­ty. The­se theo­rists could hard­ly have anti­ci­pa­ted the mul­ti­ple chal­len­ges that would con­front the public cor­po­ra­ti­on in the late twen­tieth cen­tu­ry, much less the res­ur­gence of an orga­niz­a­tio­nal form — the pri­va­te­ly-held fami­ly enter­pri­se — which they con­si­de­red a relic of the past.

This last lec­tu­re of your seri­es focu­ses on the spec­ta­cu­lar rise of the “sin­gle fami­ly office,” an enti­ty that now com­pe­tes with the pri­va­te equi­ty firm in sca­le and dis­rup­ti­ve impact. It explo­res the the­sis that we are cur­r­ent­ly wit­nessing a strugg­le bet­ween mana­ge­ri­al capi­ta­lism, embo­di­ed in the publicly tra­ded cor­po­ra­ti­on, and a res­ur­gent form of pri­va­te, unin­cor­po­ra­ted, and incre­a­singly dynastic capitalism.

The sym­bio­tic rela­ti­ons­hip bet­ween dynasts such as the Trumps, Mercers, and DeVo­ses, on the one hand, and small fami­ly busi­nes­ses on the other shed con­si­derable light on the dyna­mics of today’s far-right. In par­ti­cu­lar, it hel­ps exp­lain the con­ver­gence bet­ween a par­ti­cu­lar style of eco­no­mic orga­niz­a­ti­on, one focu­sed on asset pri­ce appre­cia­ti­on and capi­tal gains, and a far-right poli­tics of the fami­ly — in which nati­vism, nata­lism, and hos­ti­li­ty to gen­der non-con­for­mi­ty all play a cen­tral role.